|
|---|
|
Das Gebiet am Zusammenfluss von Saale und Unstrut ist von einzigartiger Schönheit der Natur. Die Täler der beiden Flüsse bilden an ihrer Mündung eine breite Mulde mit einer unverwechselbaren Naturlandschaft. Der mittelalterliche Chronist Thietmar von Merseburg nannte die Landschaft der Saale ein „blumiges Paradies.“ Im April 1909 erwarb Klinger einen weiteren Weinberg mit einer Weinberghütte, das er mit dem anderen Gelände verband. Auf den Um- und Ausbau der Weinberghütte zu einem Landhaus, das sein zweiter Wohnsitz wurde, nahm Klinger maßgeblichen Einfluss. Die Bauausführung überließ er dem Naumburger Baumeister Menzel, der ihn schon seit 1903 in baulichen Fragen beriet. In etwa vier Jahren entstand ein neues Atelier- und Wohnhaus mit Glasveranda und Erkern. Großjena nahm im Schaffen Klingers eine zentrale Stellung ein. Das Grundstück war ihm ein „ Paradies- die Ruhe und Gleichmäßigkeit des Lebens.“ Kurz vor seinem Tode arbeitete er noch an zwei Kachelöfen, deren modellierte Kacheln in den Saalfelder Werkstätten von Matthes gebrannt wurden. Die beiden Öfen mit den gestalteten Kacheln stehen heute noch in der Wohn-und Arbeitsstätte Klingers bei Max- Klinger- Gedächtnisstätte in Großjena bei Naumburg. Der Maler, Grafiker und Bildhauer Max Klinger (1857-1920) hatte1903 einen Weinberg mit einer kleinen Weinberghütte erworben. Das Weinberghäuschen wurde ihm sein „ Radierstübchen,“ das er sich selbst einrichtete und gestaltete. Nach seinen Entwürfen sind sind die Stühle der Ausziehtisch und die Hängeregale angefertigt und weiß gestrichen worden. Einiges davon ist am alten Ort in der Weinberghütte verblieben. Nach dem Tode Klingers ließ dessen Frau Gertrud (1893-1932) die Grabstätte des Künstlers neu gestalten. Sie beauftragte damit einen Freund Klingers, den Maler und Bildhauer Johannes Hartmann (1869-1932), der später auch ihr Mann wurde. Die beiden beiden Stelen aus weißem Marmor zeigen den Künstler und seine Frau. Die 1921 vollendeten und mit JH signierten Stellen flankieren seinen schmalen Aufgang, der zur Grabstätte des Künstlers führt. Klinger starb am 4. Juli 1920. Es war der Wunsch des Künstlers, auf den Höhen seines Weinberges bestattet zu werden. An der Trauerfeier am 8.7.1920 nahmen neben Vertretern des öffentlichen Lebens auch die Künstlerkollegen Franz Stundniczka, Hugo Licht, Käthe Kollwitz, Robert Sterl und Leopold von Kalkreuth teil. Hinter dem Grab Klingers wurde seine überlebensgroße Bronzestatue eines „ Athleten“ aufgestellt. Die Figur gehört zu der Gruppe „Genie und Leidenschaft “ , die unvollendet blieb. Von der Skulptur des „ Athleten“ existieren nur zwei Bronzegüsse: einer auf Klingers Weinberg bei Großjena und der andere im Gelände des Leipziger Zoos. Klinger hat beide mit seinem MK signiert. Das sogenannte „Steinerne Album“ in den Weinbergen gegenüber der Unstrutmündung ist ein barockes Kuriosum, zudem es kein vergleichbares Beispiel in Deutschland gibt. Auf etwa 200 m Länge zeigt der rote Sandstein zwölf eingemeißelte Reliefs mit zumeist biblischen Szenen, in denen der Wein eine wichtige Rolle spielt. Die Bilder wurden nach 1722 von einem unbekannten Meister in Stein gemeißelt. Auftraggeber war der Hofjuwelier Johann Christian Steinauer, der den Weinberg 1720 erworben hatte. |
| zurück |